Hohe Preise und Energiemangel belasten die Wirtschaft rund um Basel

Die Handelskammer beider Basel zeichnet eine unverändert gutes Stimmungsbild der Unternehmen im Stadt- und Landkanton. Aber: Vor allem eine Strommangellage bereitet Sorgen.

Die unsichere geopolitische Situation, steigende Preise und der drohende Energiemangel stellen die Unternehmen in der Region Basel vor Herausforderungen. Doch die Wirtschaft trotzt den schwierigen Bedingungen, zeigt der Stimmungsbarometer Herbst der Handelskammer beider Basel.

“Viele Unternehmen haben volle Auftragsbücher, ihre Produktionslinien sind ausgelastet und sie verzeichnen gute Umsätze – die Wirtschaft in der Region Basel trotzt dem aktuell schwierigen Umfeld”, informiert Andreas Meier, stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel. Die wirtschaftliche Lage hat sich seit dem Frühling nicht wesentlich verändert. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen sprechen von einem guten, weitere 40 Prozent von einem befriedigenden Geschäftsgang. Im Vergleich zur Umfrage im Vorjahr berichtet jeweils ein Drittel von einem besseren, einem gleichbleibenden beziehungsweise von einem schlechteren Geschäftsgang.

Lieferketten sind beeinträchtigt

Hemmend wirken sich Probleme bei der Rohstoff- und Materialbeschaffung aus, sagt Meier: “Noch immer sind Lieferketten beeinträchtigt. So sind Elektronikkomponenten trotz leichter Entspannung der Lieferketten aus Fernost noch nicht in der gewünschten Menge und Zeit verfügbar.” Zudem hat sich die Rohstoffbeschaffung – insbesondere von energieintensiven Rohstoffen wie Zement, Stahl oder Kupfer – massiv verteuert. Die Unternehmen suchen und finden alternativ zu Lieferanten aus Russland und der Ukraine neue Zulieferer in anderen Kontinenten. Dadurch verringern sie ihre Abhängigkeiten und stärken ihre Marktposition.

Aber nicht nur die Rohstoff- und Materialbeschaffungskosten sind aufgrund weltweiter Lieferengpässe als Folge der Corona-Pandemie stark gestiegen. Der Ukrainekrieg hat die Energiepreise massiv erhöht. “Für ein Viertel der Unternehmen haben die steigenden Strompreise keinen, für die Hälfte einen spürbaren Einfluss. Für ein Fünftel der Befragten sind sie geschäftsschädigend.

Für einige wenige kann die Situation existenzbedrohend werden. Das betrifft vor allem die produzierende Industrie. Rund die Hälfte der Unternehmen in diesen Branchen kann die aktuelle Preisentwicklung aber verkraften”, betont Meier. Unternehmen ohne vertraglich fixierte Strompreise sind mit den explodierenden Stromkosten besonders konfrontiert.

Abschaltungen wären eine Katastrophe

“Ein größeres Problem als die Strompreise sieht die Wirtschaft in der Strommangellage. Eine Kontingentierung des Stroms hätte weitreichende negative Folgen, Abschaltungen wären eine Katastrophe”, sagt Meier. Um im Ernstfall gewappnet zu sein, sichern die Unternehmen die Stromversorgung systemrelevanter Anlagen.

“Die steigenden Preise werden im Jahr 2023 aller Voraussicht nach noch stärker spürbar sein”, betont Meier. Das dämpft bei vielen Unternehmen die Erwartungen an Erträge und Gewinne. Die Inflation ist in der Schweiz zwar deutlich tiefer als in anderen Ländern. Dennoch wird sie die Wirtschaft belasten. “Eine mögliche Rezession ist von der Entwicklung in Deutschland und in den anderen Industriestaaten abhängig und trifft die Schweiz mit einer Zeitverzögerung von sechs bis zwölf Monaten”, erläutert Meier.

Rohöl: Die deutschen Raffinerien profitieren von einer kräftig gestiegenen Nachfrage

Jedes fünfte Unternehmen der Region Basel prognostiziert fürs kommende Halbjahr eine positive Geschäftsentwicklung. Gut die Hälfte geht von einem gleichbleibenden Geschäftsgang aus. Ein Viertel der Befragten rechnet mit einer Verschlechterung. Eine gewisse Zurückhaltung ist bei den Investitionen spürbar. Verschiebungen und Rückzüge von Großinvestitionen – insbesondere beim Bau von Renditeobjekten – sind laut Baubranche bereits Tatsache und spürbar.

Weniger Investitionen

“Weniger Investitionen erhöhen also ihrerseits das Risiko einer Rezession beziehungsweise einer Bremsung der Wirtschaft. Trotz der geopolitischen Situation und des fragilen Zustands der Weltwirtschaft mit hoher Inflation und drohender Rezession: Die Stabilität und hohe Resilienz unserer Wirtschaft wird ihr helfen, sich im schwierigen globalen Umfeld zu behaupten und die aktuellen Krisen zu bewältigen”, ist Meier zuversichtlich.

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