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Einwohnerrat nimmt Quartierplan an – Referendum bereits lanciert

Trotz Parkplatzdiskussionen stimmt der Einwohnerrat den Vorhaben für das Entwicklungsareal Bredella-West zu. Teil davon ist ein Holzhochhaus zum Wohnen.

Ein Holzhochhaus, das zum Wohnen einlädt, Kinder, die sich in einem Wasserspiel tummeln, und Grünflächen, auf denen Anwohnende picknicken – so stellen sich die Verantwortlichen das Bredella-Areal in Zukunft vor. 

Eine solche Transformation des kargen Areals der ehemaligen Buss AG und der Firma Rohrbogen unterstützt auch der Prattler Einwohnerrat. Am Montag nahm er den Quartierplan mit 31 Ja- zu 6 Nein-Stimmen an.

Doch bis es so weit war, wurde vor allem eins diskutiert: die Anzahl Parkplätze. Schon wieder. 

Gemäss Quartierplan sind maximal 700 Parkplätze vorgesehen. Ausserdem wurden die Unter- und die Obergrenze auf 0,5 bis 0,7 Parkplätze pro Wohnung festgelegt. Dieter Stohler (FDP) stellte deshalb gleich fünf Anträge. 

Demnach forderte die FDP/Mitte-Fraktion eine Erhöhung auf 0,7 bis 1,0 Parkplätze pro Wohnung. Ausserdem sollte die Maximalzahl von Parkplätzen komplett gestrichen werden. «Wenn wir mit diesen Anträgen nicht durchkommen, könnten einige Mitglieder gegen den Quartierplan stimmen», kündigte Stohler an. 

Auf dem Bredella-Areal sollen zwei grüne Stadtquartiere direkt am Bahnhof entstehen. Aufgrund dieses Standorts reichen maximal 700 Parkplätze, wie es im Mobilitätsgutachten heisst.
Auf dem Bredella-Areal sollen zwei grüne Stadtquartiere direkt am Bahnhof entstehen. Aufgrund dieses Standorts reichen maximal 700 Parkplätze, wie es im Mobilitätsgutachten heisst.Visualisierung: Bredella AG

Damit schienen die Emotionen hochzukochen. «Liebe FDP, ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Das ist eine sehr naive und auch altmodische Herangehensweise», sagte Petra Ramseier (Unabhängige Pratteln). Prattler und Prattlerinnen würden sich bereits jetzt weniger Verkehr wünschen. Mit dieser Erhöhung von Parkplätzen sei ein Verkehrskollaps vorprogrammiert. 

0,3 Parkplätze mehr sei hochgerechnet wahnsinnig viel, sagte Gemeinderat Philipp Schoch (Unabhängige Pratteln). Das Problem sei die Frage, wie man zu Bredella und wieder weg komme und welchen Einfluss dies auf alle habe, die schon in Pratteln wohnen. Gemäss Mobilitätsgutachten sei 0,7 ein guter Wert für diesen Standort. 

Die künftige Gemeinderätin Rahel Graf (SP) wies zudem darauf hin, dass ein städtisches Quartier geplant sei. Entsprechend werde es Personen ohne Auto geben, die in Bredella leben wollen. 

Auch die Befürwortenden der Anträge schienen verärgert. «Diese Diskussion geht mir auf den Geist. Habt ihr mal überlegt, dass man nicht jeden Tag mit dem Auto wegfährt?», so Séline Gutknecht (SVP). Manche Personen würden das Auto eher für grosse Einkäufe oder Ferien gebrauchen. Und Josef Bachmann (SVP) fragte ironisch: «Fahren diese 700 Autos denn alle miteinander auf die Strasse?»

Nichtsdestotrotz kamen die Anträge im Einwohnerrat nicht durch. Auch ein Vorschlag des Gemeinderats, den Wert von maximal 700 Parkplätzen auf 675 bis 700 festzulegen, wurde abgelehnt. Die Formulierung sorgte zu Beginn für Verwirrung – man wolle damit mehr Spielraum für die Investoren schaffen, erklärte Gemeinderat Schoch. 

Letztlich erzielte die künftige Gemeinderätin Silvia Lerch (FDP) einen Kompromiss. Sie schlug vor, die Untergrenze bei 0,5 Parkplätzen pro Wohnung zu belassen, die Obergrenze aber auf 0,9 zu erhöhen – und erhielt dafür Zustimmung.

Komitee will Volksabstimmung

Obwohl der Grossteil des Quartierplans keinen Anlass für Diskussionen gab, formierte sich Gegnerschaft. So kritisierte Paul Dalcher (parteilos) am Montag Zahlen, denen zufolge die Gemeinde von Bredella profitieren werde (siehe Infobox). Wohnungen auf dem Bredella-Areal seien nur für den Investor rentabel, für die Gemeinde würden sich Arbeitsplätze mehr lohnen. 

Am Dienstag teilt Dalcher in einer Medienmitteilung mit, dass im Anschluss an die Einwohnerratssitzung die Unterschriftensammlung für das Referendum begonnen wurde. Dieses verlangt, dass der Beschluss des Einwohnerrates vors Volk kommen soll. Bredella-West mit Hochhaus und Wohnungen für über tausend Personen werde Pratteln grundlegend verändern, so das Referendumskomitee. «Dies betrifft die ganze Bevölkerung, insbesondere die nächste Generation.» 

Dem Co-Präsidium gehören neben Paul Dalcher Einwohnerrat Patrick Weisskopf (Unabhängige Pratteln) und der ehemalige FDP-Gemeinderat Max Hippenmeyer an. Unterstützt würden sie von 15 weiteren «besorgten Stimmbürgerinnen und -bürgern», wie es in der Mitteilung heisst. 

Artikel von: bazonline
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