Das Gartenbad hat zur «Kunschti» jetzt auch eine Kunstausstellung

17 Kunstschaffende aus der Region Basel präsentieren Werke, die eigens für das Kleinbasler Gartenbad Eglisee angefertigt wurden.

Nasse Füsse sind in einem Freibad nichts Ungewöhnliches. Aber etliche Monate nach Saisonschluss? Dunstig steht die Sonne am Morgenhimmel, der Herbst garniert das Eglisee mit Laub. Auf der Liegewiese scheint sich ein Schwarm stelzbeiniger Vögel niedergelassen zu haben.

Neugierig nähert man sich den roten Röhrengebilden, die sich als Handläufe herausstellen, wie sie für Treppen in Schwimmbecken verwendet werden. Da ist der Sommerschuh vom feuchten Gras schon nass – und die Freilichtausstellung gleich nochmals erfrischender.

Denn die Installation «Schwimmen auf der Wiese» von Ursula und Claudio Magoni ist nur eine von insgesamt 19 Positionen, die sich im Gartenbad Eglisee noch bis Ende Februar 2023 entdecken lassen. Und ein Blick auf den Lageplan lohnt sich, um die dezenten Schnarchgeräusche aus einer Umkleidekabine oder den von einer Zeitschaltung gesteuerten, inkontinenten Wasserschlauch nicht zu verpassen.

Eine Premiere für das Gartenbad
Die «Kunschti» gibt es im Eglisee schon lange, eine Kunstausstellung ist für das Gartenbad aber neu. Entsprechend einfallsreich machen sich die Kunstschaffenden ans Werk. Martin Raimann etwa fabuliert einen archäologischen Fund herbei und lässt frech zwei angeblich vor Ort gefundene Steinschiffe durch seine alternative Timeline segeln.

Markus Schwander bestückt das trockengelegte Kinderplanschbecken mit Bruchstücken einer bizarren Korallenbank, während Suter & Bult ein Fenster in die Zukunft und damit auf unsere Hinterlassenschaft an die Folgegenerationen öffnen: Unter gläsernen Bodenplatten liegen ausgebleichtes Sändelizeug, Badelatschen, Federbälle.

Ökologische Fragen beschäftigen auch Reto Leibundgut. Sein «Mare agitato», eine blaue Springflut aus Plastikschrott, trägt den Beititel «Danke und auf Wiedersehen» – durchaus realistisch, zersetzt sich Kunststoff doch nicht einmal nach mehreren hundert Jahren. Und bei Matthias Freys modifizierter Dusche tropft das seltener werdende Wasser dick wie Sonnencrème aus der Brause.

Miguela Tamo stattet die Umkleidekabinen des Frauenbads mit einer Reihe transparenter Porträts aus, die es Besucherinnen und Besuchern erlauben, sich in fremden Gesichtern zu spiegeln. Einfühlungsvermögen ist der Schlüssel, auch beim Porträt einer verhüllten Muslima: Nach all den Streitigkeiten ums «Fraueli» offeriert Tamo eine Intervention, die das Publikum mit sich selbst ausmacht.

So macht das Eintauchen Spass
Aber natürlich kann das Eglisee auch unbeschwerter: Anita Kuratle bedeckt die Liegewiese mit Herzen und Smileys, als käme die Landschaft direkt aus dem hormongeladenen Chatverlauf einer Teenagerromanze. Und der sonst eher unauffällig technoide «Recharger» von Daniel Göttlin glüht an seinen Rändern förmlich vor Erinnerung an einen hitzigen Sommer.

Philipp Käppelis Rettungsringe thematisieren die kulturelle Vielfalt der Badegäste, Simone Steinegger denkt mit «Fluke» über die Diversität menschlicher Körper nach. Ihre amorphe Skulptur ragt aus dem grünen Rasen auf wie die Schwanzflosse zum grauen Walbuckel der Schwimmhalle.

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